ThyssenKrupp Nirosta ist zusammen mit den verbundenen Unternehmen ThyssenKrupp Acciai Speciali Terni, ThyssenKrupp Mexinox und Shanghai Krupp Stainless einer der weltweit führenden Hersteller von nichtrostenden Flacherzeugnissen mit einem weitgefächerten Programm unterschiedlicher Güten, Abmessungen und Oberflächen.
Als Großhersteller mit leistungsstarken und spezialisierten Produktionsanlagen hat ThyssenKrupp Nirosta ein besonderes Interesse daran, die Fertigungsanlagen vor Gefährdungen aller Art zu schützen. Im September 2006 hatte das Unternehmen in der Produktionsstätte in Dillenburg durch starke Regenfälle mit einer Niederschlagsmenge von mehr als 100 Liter/Quadratmeter und die Überflutung der Produktionsanlagen an diesem Standort einen beträchtlichen Schaden hinnehmen müssen – ein Szenario, dass sich nicht mehr wiederholen soll und dem durch präventive Maßnahmen entgegen gewirkt werden sollte. In einem rund viermonatigen Projekt in Zusammenarbeit mit der zur international tätigen Tauw Group gehörenden Tauw GmbH überprüfte ThyssenKrupp Nirosta daraufhin, welche Gefahren durch Wasser für ihre Produktionsstandorte in Deutschland entstehen können.
„Das Thema der wetterbedingten Schäden wird für viele Industrie- und Gewerbeunter-nehmen zunehmend wirtschaftlich relevant“, so Tauw-Projektleiter Dr. Stefan Markwort. Laut Rückversicherern haben sich die inflationsbereinigten volkswirtschaftlichen Schäden in den letzten zehn Jahren im Vergleich zu den 1980er Jahren fast verdoppelt. Die versicherten Schäden sind um den Faktor 2,5 gestiegen. „Nach den vorliegenden Prognosen über die Entwicklung des Klimas kann davon ausgegangen werden, dass wetterbedingte Naturereignisse in Zukunft öfter und stärker als bisher eintreten werden“, ist sich Dr. Markwort sicher. Bisherige Risikobetrachtungen zu lokalen Starknieder-schlägen und Starkwindereignissen seien fast in jedem Fall unter zu günstigen Randbedingungen bewertet, geplant und ausgelegt worden.
„Bereits in der Angebotsphase konnten wir uns davon überzeugen, dass die Tauw GmbH über langjährige Erfahrung in der Analyse und Bewertung unwetterbedingter Schadens-risiken, hier im Speziellen ,Wasser’, von Industriestandorten und in der Ausarbeitung praxisnaher, technischer und organisatorischer Präventivmaßnahmen verfügt“, begründet Dipl.-Ing. Thomas Müller, Abteilungsdirektor Arbeitssicherheit/Brandschutz bei ThyssenKrupp Nirosta, die Entscheidung für die Auftragsvergabe an das Ingenieurbüro in Moers.
Bei der Betrachtung der Naturereignisse und der möglichen Wirkung für die ThyssenKrupp Nirosta-Standorte in Benrath, Bochum, Dillenburg, Krefeld, Langenhagen, Sachsenheim, Schalksmühle und Wilnsdorf-Anzhausen setzten die Tauw-Ingenieure auf systematische Untersuchung. Zunächst ging es darum, ein hohes Maß an Informationen zu sammeln: Dabei ging es vor allem um die Exposition eines Standortes gegenüber möglichen Unwetterereignissen und die Verknüpfung mit Standortdaten und Prozessabläufen in der Wertschöpfungskette. Das vierköpfige Tauw-Team aus Ingenieuren und Naturwissen-schaftlern betrachtete die Naturrisikoexposition der jeweiligen Standorte in Szenarien, die die lokalen Einflüsse durch Starkwindereignisse, lokale Starkniederschläge und Sturzfluten, aufsteigendes Grundwasser, möglichen Rückstau (Kanalisation) sowie die Ausuferung von größeren Gewässern berücksichtigten. Zur Ist-Stand-Erhebung zählten naturgemäß auch die Recherche umfangreichen externen Datenmaterials aus Topographie, Geologie und Meteorologie sowie eine Bestandsaufnahme der jeweiligen Standortcharakteristika und Interviews mit verantwortlichen Mitarbeitern. Die Szenarien wurden zudem mit Höchstschadenschätzungen, dem Probable Maximum Loss (PML), des 100-jährigen und 500-jährigen Ereignisses hinterlegt. Diese Betrachtungen zum PML wurden in enger Abstimmung mit dem ThyssenKrupp Nirosta Controlling vorgenommen. Bei der Betrachtung der PML 100 bzw. PML 500 wurden die Auswirkungen von unwetterbedingten Wasserständen auf die Konstruktion eines Produktionsgebäudes und auf die Produktionsanlagen kalkuliert, des Weiteren die mögliche Dauer der Betriebs-unterbrechung abgeschätzt. In die Bestandsaufnahme und Schwachstellenanalyse wurden die an den Anlagenstandorten vorhandene Infrastruktur, die technischen Prozessabläufe, die Vorsorgemaßnahmen und Ausrüstungen zur Risikominderung in die Bewertung einbezogen. Die von der Tauw für die jeweiligen Standorte erarbeiteten Szenarien stützten sich u.a. auf umfassende Datenbanken (wie z.B. Kostra-DWD-2000 für Niederschlagsereignisse) und den Einsatz unterschiedlicher IT-Tools (ArcGis, Surfer) um die Exposition von Standorten anhand digitaler Geländemodelle zu beschreiben.
„Wir haben auf eine derart intensive Betrachtung Wert gelegt, um eine Bewertung der jeweils lokal vorhandenen Gefährdungen durch Wasser zu erhalten sowie auch gegenüber unseren Versicherern die notwendige Transparenz der Situation zu bekommen“, beschreibt Abteilungsdirektor Dipl.-Ing. Thomas Müller den direkten Nutzen der Untersuchungen.
Ausgehend von den Ergebnissen der Schwachstellenanalyse und den betrachteten Szenarien wurde für jeden Standort der ThyssenKrupp Nirosta die Risikosituation mittels einer „Ampelfunktion“ bewertet und gleichzeitig ein angepasster Maßnahmenplan erstellt. Dieser umfasste neben Empfehlungen für organisatorische Maßnahmen entsprechende technische Vorsorge- und Schutzmaßnahmen und bildete die Grundlage für das laufende betriebliche Risikomanagement bei Naturgefahren.
„Wir haben als Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Tauw GmbH die erforderlichen Aktivitäten eingeleitet, um auf wetterbedingte Naturereignisse, hier im Speziellen Wasser, bestmöglich vorbereitet zu sein“, fasst Thomas Müller zusammen. Zu diesen Maßnahmen zählt die Verbesserung organisatorischer Abläufe in der Notfallorganisation mit dem Einbau in das bestehende Krisenmanagement und Notfallübungen sowie weiteres Vorsorgemanagement und technische Maßnahmen. Im Rahmen des Vorsorge-managements werden u.a. kritische Stellen identifiziert und Schwachstellen fortlaufend dokumentiert. Die Planung von Retentionsräumen rundet die Maßnahmen im Rahmen des Vorsorgemanagements ab.