Mikrobiologische Bodensanierung eines Diesel-Schadens

09 Oktober 2024

Am 02.08.2021 ereignete sich an einer Staatsstraße bei Arrach im Bayerischen Wald ein LKW-Unfall, in dessen Folge Diesel-Kraftstoff ausgelaufen und im Böschungsbereich am Straßenrand versickert ist. Die genaue Menge des ausgelaufenen Kraftstoffs ist nicht bekannt. Als Sofortmaßnahme wurde durch die Feuerwehr mittels Bindemittel Öl aufgenommen. Im nur etwa 30 – 40 m entfernt vorbeifließenden Fluss Weißer Regen wurde eine Ölsperre errichtet. Aufgrund der Nähe zur Vorflut liegt das Schadensgebiet in einem wassersensiblen Bereich. Das Grundwasser wird bei <1 m unter Geländeoberkante (u GOK) angetroffen.

Unter fachlicher Begleitung der TAUW GmbH (TAUW) wurde am Tag nach dem Unfall verunreinigter und geruchlich auffälliger Boden bis zu 1,70 m u GOK ausgekoffert, entsorgt und in Teilflächen mit frischem Material verfüllt. In der verbliebenen Grube wurde in 0,8 m u GOK kontaminiertes Grundwasser angetroffen. Es konnten 300 Liter Wasser-Diesel-Gemisch abgeschöpft werden.

Vor der Wiederverfüllung hat die TAUW beweissichernde Bodenproben entnommen und eine erhebliche Belastung mit Mineralölkohlenwasserstoffen (MWK) von bis zu 7.200 mg/kg ermittelt. Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg (WWA) forderte, diese Belastung auf 100 mg/kg zu reduzieren.

Aufgrund des Baumbestandes und des hohen Grundwasserspiegels war eine weitere Sanierung mittels Bodenaustausch nur mit hohem Aufwand möglich. In Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt erarbeitete die TAUW zur Sanierung des Schadens mit der MWK bioEngineering GmbH & Co.KG, 83093 Bad Endorf (jetzt Calvatis Bionik GmbH) ein Konzept zur biologischen in-situ-Sanierung des Diesel-Schadens.

Dazu wurden zunächst durch MWK bioEngineering mittels physikalischer und biologischer Laborversuche geprüft, ob der anstehende Boden für ein in-situ-Sanierung unter Anwendung des Produktes „benzCrack surface S“ geeignet ist. Dieses besteht aus Pro- und Eukaryoten in einer Nährlösung aus Mikro- und Makronährstoffen sowie weiteren produktspezifischen Stoffen zur Verbesserung der Wirksamkeit und wird in einem überwachten Fermentationsprozess erzeugt. Nach Bestätigung der generellen Machbarkeit wurde das Verfahren als geeignet eingestuft und für die Ausführung freigegeben.

Im Dezember 2021 wurde der Wirkstoff durch MWK bioEngineering über Injektionslanzen mit Wasser gemischt und 1.000 Liter flächig und über Injektionslanzen in den Boden eingebracht. Eine weitere Eingabe von ca. 600 Liter Wirkstoff-/Wasser-Mischung fand im April 2022 statt.

Zur Überprüfung der Wirksamkeit wurden durch die TAUW im Mai 2022 aus drei Kleinrammbohrungen Bodenproben entnommen und untersucht. Am Rand des Untersuchungsgebietes wurde der Zielwert eindeutig unterschritten, jedoch nicht im zentralen Bereich des Ölunfalls, hier lag die Belastung noch bei 370 mg/kg. Daraufhin führte MWK bioEngineering Mitte Juli 2022 eine dritte Beimpfung durch Eingabe von 400 Liter Wirkstoff-Lösung durch. Deren Erfolg wurde im November 2022 in Proben aus vier  Bohrungen kontrolliert. Im zentralen Bereich wurden Mineralölkohlenwasserstoffen unter der Bestimmungsgrenze bzw. unter dem Sanierungszielwert von 100 mg/kg nachgewiesen. Bei den Restbelastungen handelte es sich gemäß Chromatogramm um MKW aus Bitumen und nicht um Diesel-Kraftstoff.

Innerhalb von 14 Monaten konnte der Diesel-Schaden mittels mikrobiellem Abbau saniert werden. Mit Stellungnahme vom 27.03.2024 hat das Landratsamt Cham den Diesel-Schaden als saniert eingestuft.

 

Sofort-Sanierung mittels Aushub bis in 1,70 m u GOK sowie Abschöpfung von 300 l Öl-/Wasser-Gemisch       
Sofort-Sanierung mittels Aushub bis in 1,70m u GOK     Bereich des Diesel-Schadens nach erfolgtem  
sowie Abschöpfung von 300l Öl-/Wasser-Gemisch          Bodenaustausch               

 

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