Richtlinie VDI/GVSS 6202 – Sanierung schadstoffbelasteter Gebäude und Anlagen

Olaf Dünger

Die Richtlinie „VDI/GVSS 6202 Blatt 1 Schadstoffbelastete bauliche und technische Anlagen – Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten“ umfasst die wesentlichen Aspekte für den Ablauf von Schadstoffsanierungen – von der Erhebung bis zur Entsorgung. Erstmalig wird damit das breite Spektrum an Gesetzen, Vorschriften und Richtlinien des Gefahrstoff- und Abfallrechts, das dabei zu beachten ist, konzentriert strukturiert und damit transparenter dargestellt. Ergänzend zu den Regelungen der VOB werden Empfehlungen für erforderliche werkvertragliche Regelungen gegeben.

Sofern Gebäude angefasst werden, die in den 1950er- bis 1980er-Jahren errichtet, umgebaut oder modernisiert wurden, muss immer mit einer ganzen Palette von Schadstoffen gerechnet werden. Stoffe wie Asbest, KMF, PCB, PAK, PCP, Lindan oder DDT wurden in der Vergangenheit wegen ihrer besonderen Eigenschaften in vielfältiger Verwendung Bestandteil von Baustoffen und Bauteilen im Hoch-, Tief- und Anlagenbau. Zwischenzeitlich stellte sich durch auftretende Krankheits- und Todesfälle heraus, dass diese Substanzen auch Gefahren für Mensch und Umwelt mit sich bringen.
Weitere Belastungen resultieren aus biologischen Stoffen. Stellvertretend seien hier Schimmelpilzbefallene Bausubstanz oder auch Kontaminationen durch Taubenkot (z. B. auf Dachböden) genannt.

Bei allen Sanierungsmaßnahmen an Schadstoffbelasteten Gebäuden müssen Eigentümer, Betreiber, Planer, Gutachter und ausführende Unternehmen ein breites Spektrum an Vorschriften und Richtlinien beachten. 
Nicht selten ist das damit verbundene Gefährdungspotenzial den jeweiligen Eigentümern nicht bekannt oder wird unterschätzt. Architekten und Planer geraten dann schnell bereits bei der Abgabe eines ersten Angebots in die Zwickmühle.

Kostensicherheit: Schadstoffe in Gebäuden rechtzeitig identifizieren

Es versteht sich von selbst, dass Planungs- und Sanierungskosten nur unvollständig eingeschätzt werden können, wenn kein Schadstoffkataster vorliegt oder das Vorhandensein von Schadstoffen nicht überprüft und ausgeschlossen worden ist. Wird dieses Risiko von beiden Seiten ignoriert und stellt sich erst während der Baumaßnahmen heraus, dass „plötzlich und völlig unerwartet“ Schadstoffe auftauchen, kann guter Rat im wahrsten Sinne des Wortes teuer werden. Denn gegebenenfalls müssen zusätzliche Leistungen über spezialisierte Planer, Gutachter und Unternehmen kurzfristigst nachbeauftragt werden und in die bestehende Planung eingepasst werden.

Um dieses Szenario für sich auszuschließen und Haftungsfallen bereits im Ansatz zu umgehen, sollten Architekten und Planer in der Lage sein, den Bauherrn sachkundig auf seine Mitwirkungspflichten hinzuweisen und die entsprechenden Angaben bereits im Vorfeld von ihm einzufordern.

Übersichtliche Darstellung der Aufgaben schafft Klarheit

Denn der Bauherr trägt als Veranlasser von Sanierungsmaßnahmen durchgängig die Gesamtverantwortung, die aus Planungs-, Überwachungs- und Entsorgungsverantwortung besteht. Auch wenn er sich zur Erfüllung seiner Verantwortung Dritter bedient, bleibt er für die Überwachung verantwortlich. Die VDI/GVSS 6202 trägt dieser besonderen Rolle und Verantwortung des Bauherrn Rechnung und bringt dessen Aufgaben bereits am Anfang der Richtlinie übersichtlich und prägnant auf den Punkt. 
Im weiteren werden die Aufgaben der anderen Beteiligten beschrieben, das sind Schadstoffgutachter, Sanierungsplaner, Koordinatoren, Sanierungsfachbetriebe, Beförderer und Entsorger der Abfälle. Klar werden auch die Anforderungen an diesen Personenkreis definiert: fachliche Eignung, Zuverlässigkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Das Blatt 2 der Richtlinie „Sanierung schadstoffbelasteter baulicher und technischer Anlagen – Qualifizierung von Personal“ ist bereits in Arbeit und wird diesen Aspekt noch umfangreicher fassen.

Die vorliegende Richtlinie bietet umfassende Information mit Entscheidungshilfen, Handlungsanleitungen und Bewertungskriterien, die dem Stand der Technik entsprechen. Sie ermöglicht einen schnellen Einstieg in die komplexen Zusammenhänge der Schadstoffsanierung und bietet ein solides rechtliches Fundament, auf dem sich alle Beteiligten sicher bewegen können.

Qualifizierte Gutachter einbeziehen

Die Tauw GmbH verfügt über langjährige Expertise in Bezug auf Schadstoffe in Gebäuden und Anlagen und hat sich daher bereits frühzeitig vom Gesamtverband Schadstoffsanierung e.V. als Sanierungsfachplaner und –gutachter zertifizieren lassen. Tauw steht Ihnen mit der dokumentierten Kompetenz gerne beratend zur Seite und setzt die Anforderungen der Richtlinie konsequent um.

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