Verdeckte Fundstellen: Asbest plötzlich wieder hochaktuell

Olaf Dünger

Bei Umbaumaßnahmen in Bestandsgebäuden wird vermehrt Asbest an verdeckten Stellen gefunden, die bislang wenig im Fokus standen. So können alte Fliesenkleber, Putze, Spachtelmassen, Beschichtungen und ähnliche Baustoffe Asbest enthalten. Bei Baualtersklassen zwischen 1950 bis Ende der 1990er Jahre sollten daher bei Um- und Rückbaumaßnahmen vertiefende Untersuchungen auf eine Asbestgefährdung durchgeführt werden.

Das im Dunkeln sieht man nicht

Seit Einführung der baurechtlich verankerten Asbestrichtlinien sind in Deutschland in Bestandsgebäuden viele Untersuchungen auf Asbest erfolgt und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt worden. Hierbei lag der Fokus häufig auf bekannten, typischen Fundstellen von schwach gebundenen Asbestprodukten im Bereich des Brandschutzes, zum Beispiel brandschutztechnische Ertüchtigung von Stahlkonstruktionen mit Leichtbauplatten oder Spritzasbest, Einsatz im Bereich von Brandabschnitten, Lüftungskanälen und so weiter.

Aktuelle Erkenntnisse aus verschiedenen Um- und Rückbaumaßnahmen zeigen wiederkehrend, dass Asbestfundstellen im Vorfeld von Baumaßnahmen immer wieder übersehen werden. In diesen Fällen entsteht für Auftraggeber oder Bauherren die Notwendigkeit, während der laufenden Baumaßnahmen zeit- und kostenintensiv umzuplanen.

Eine typische Ursache hierfür ist, dass für das Objekt in der Vergangenheit bereits Schadstoffuntersuchungen, inklusive Asbest, durchgeführt wurden. Deshalb wurden im Vorfeld der aktuellen Baumaßnahme keine weitergehenden Prüfungen mehr veranlasst. Hierbei wird jedoch häufig ausgeblendet, dass ältere Untersuchungen meist einen bestimmten, eingeschränkten Fokus hatten:

  • Häufig wurden Asbestkataster in den 1990er-Jahren erstellt, um die damals neuen Asbestrichtlinien zur Bewertung von schwach gebundenen Asbestprodukten umzusetzen und eine konkrete Nutzergefährdung durch offen zugängliche, schwach gebundene Asbestprodukte auszuschließen.
  • Nicht direkt zugängliche, überdeckte Baustoffe wurden dabei nicht untersucht und verdeckte Einbausituationen nicht überprüft.
  • Zudem zeigt sich seit einigen Jahren, dass bestimmte Bauprodukte nicht im Fokus der Schadstoffgutachter standen – und zum Teil immer noch nicht stehen. Deshalb wurden keine Proben entnommen und auf Asbest untersucht.

Erst in der jüngeren Vergangenheit schenken Schadstoff-Gutachter den bisher wenig beachteten Fundstellen in Wand- und Deckenbekleidungen mehr Aufmerksamkeit – zu Recht, wie Praxiserfahrungen zeigen.

Asbest in Wänden und Böden scheint weit verbreitet zu sein

Seit einigen Jahren wird auf Veranstaltungen wie der DCONex und dem Asbestforum wiederkehrend auf das vermehrte Auffinden asbesthaltiger Wand- und Deckenbekleidungen hingewiesen.

In Hamburger Schulen müssen wegen der vorliegenden Erkenntnisse seit einigen Jahren vor Aufnahme von Instandhaltungsarbeiten Wände und Böden routinemäßig auf asbesthaltige Materialien untersucht werden. Dabei treten regelmäßig Positivbefunde auf. Da die Untersuchung von Materialproben aus Wand- und Deckenbekleidungen wegen ihres vielschichtigen Aufbaus im Labor problematisch ist, wurde in Hamburg hierzu eine besondere Labormethodik, die SBH-Methode, entwickelt.

Nach Hamburg wurden auch in Bremen Asbestbefunde in Wand- und Deckenbekleidungen bestätigt. Dass sich solche Befunde aber nicht auf die beiden Hansestädte beschränken, zeigt ein Beispiel aus Bonn. Dort berichtete die Tagespresse, dass in Liegenschaften der Stadt Bonn gehäuft positive Asbestnachweise in Wandputzen auftraten. Es ist daher davon auszugehen, dass es sich bei Asbest in Wand- und Bodenaufbauten um eine weit verbreitete Problematik handelt.

Eine aktuell vom Gesamtverband Schadstoffsanierung e. V. in Berlin veranlasste Untersuchung von Gipskarton-Spachtelmassen aus Bestandsgebäuden deutet in die gleiche Richtung. Bei den ersten Stichproben fanden sich in neun von vierzehn untersuchten Proben Asbest. In Fugenfüllern und Spachtelmassen von GK-Wänden scheint demnach in Bestandsgebäuden Asbest weiter verbreitet zu sein, als bisher angenommen.

Allen, die mit Bestandsgebäuden betraut sind, ist daher dringend zu raten, auch bisher weniger im Fokus stehende Asbestanwendungen wie Wand- und Deckenbekleidungen bei Untersuchungen ausreichend zu berücksichtigen. Spachtelmassen, Farbbeschichtungen, Kleber, rissüberbrückende Spachtel, Rauputze, Buntsteinputze und ähnliches kommen regelmäßig als Asbestquellen infrage.

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