Are you stupid or something?

09 Februar 2022, Julia Bevc

Warum „dämlich“ keine Unfallursache ist und was Sie tun können um sicheres Verhalten mithilfe von Behavior Based Safety (BBS) nachhaltig zu fördern.

Freitagnachmittag, 17 Uhr im Büro der Fachkraft für Arbeitssicherheit, das Wochenende ist greifbar. Um 17:02 klingelt das Handy. Ein Mitarbeiter ist von der Leiter gestürzt und hat starke Schmerzen. Der RTW ist bereits alarmiert. Vor Ort stellt sich heraus: zwei Rippenbrüche, der Notarzt spricht von großem Glück. Zum zweiten Mal Glück gehabt, denn derselbe Mitarbeiter brach sich bereits im letzten Jahr bei einem Sturz von der Leiter die Schulter.

Wie kann denn ein Unfall von solcher Schwere demselben Mitarbeiter bereits zum zweiten Mal passieren?! Dabei wurden doch nach dem Leitersturz im letzten Jahr etliche Maßnahmen ergriffen, um das sicherere Arbeiten bei der Nutzung von Leitern zu fördern: Beschaffung neuer Leitern, praktische Unterweisung, Fokussierung der Thematik in der letzten Arbeitssicherheitswoche... Das gilt es nun aufzuklären. Der Feierabend ist jedenfalls erstmal aufgeschoben.

Arbeitsunfälle sind oft nicht nur tragisch sondern auch emotional aufgeladen, so überkommt auch engagierte Arbeitsschützer:innen doch manchmal das Gefühl vergeblicher Liebesmüh. Ergeben sich dann aus aufwändigen Unfallanalysen und Aufklärungsbemühungen keine schlüssigen Erklärungen für einen Unfall oder einen sicherheitsrelevanten Vorfall, finden sich manchmal Kategorien wie „Menschliches Fehlverhalten“. Was damit genau gemeint ist, bleibt oft undefiniert. Was dadurch impliziert werden kann: Wir haben alles getan, aber die Person war zu dämlich.

Benutzen wir den Begriff dämlich im Zusammenhang mit Arbeitssicherheit, könnte man auch sagen jemand ist „unfallanfällig“. Sind wir zu diesem Schluss gekommen, hilft nur noch eins: Händchenhalten, jede Menge Regeln aufstellen und zu hoffen, dass die Betroffenen und ihre Mitmenschen so vor sich selbst geschützt werden können (und bitte nicht noch einen weiteren LTI verursachen). Was bleibt ist die Erkenntnis: You can’t fix stupid. End of story?

Zum Glück nicht. Wissen wir doch heute, dass uns eine solche Art der Verurteilung zwar eine kurze Linderung unseres Frusts verschaffen (eine Art Abwehrmechanismus unseres Gehirn, um die Aktivität unseres Angstzentrums der Amygdala, zu hemmen), uns aber keine Lösung bieten. Forschungen zeigen, dass wir Menschen dazu neigen, Personen als Ursache für ihre Handlungen zu sehen und dabei situative Faktoren zu vernachlässigen, wodurch sich unsere Wahrnehmung verzerrt - man spricht vom „fundamentalen Attributionsfehler“.

Was es braucht ist ein präventives Vorgehen, das jeden Menschen mit seinen individuellen Leistungsvoraussetzungen da abholt wo er gerade steht - weg von Verurteilungen und Resignation hin zur Anerkennung und Wertschätzung von sicheren Verhaltensweisen. Ein solcher Weg lässt sich mithilfe der Instrumente und Methoden von Behavior Based Safety (BBS) ebnen, indem verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse auf den Kontext der Arbeitssicherheit übertragen werden. Lesen Sie mehr zum verhaltensorientierten Ansatz der Arbeitssicherheit und Möglichkeiten, wie wir Sie bei Ihrem BBS-Programm unterstützen können, in unserem Whitepaper. (zum Download des Whitepapers auf die Grafik klicken)(zum Download des Whitepapers auf die Grafik klicken)

 

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